SOS

Berlin, 23:30 Uhr, Donnerstag, 9. November 1989

The Sounds of Freedom

Wie westliches Radio, Rock and Roll und Popkultur halfen, den sowjetischen Kommunismus zu Fall zu bringen.

  • BBC World Service
  • Voice of America
  • Radio Free Europe
  • Radio Liberty
  • Radio in the American Sector
  • Vatican Radio
  • BBC World Service
  • Voice of America
  • Radio Free Europe
  • Radio Liberty
  • Radio in the American Sector
  • Vatican Radio

Vier miteinander verwobene Erzählstränge

Westlicher Rundfunk, populäre Musik und Kultur und immer furchtlosere Bürgerinnen und Bürger halfen, die Legitimität der kommunistischen Herrschaft von innen heraus zu untergraben.

Der Kalte Krieg wurde nicht allein durch militärischen und wirtschaftlichen Druck gewonnen.

Familien und Kinder stehen im August 1989 Hand in Hand entlang einer Landstraße in Litauen.

Zwei Millionen Menschen. Sechshundertfünfundsiebzig Kilometer. Keine Waffen.

Sie fassten sich über drei Länder hinweg an den Händen, am fünfzigsten Jahrestag des Paktes, der das Baltikum an Moskau übergeben hatte. Vier Monate später war Litauen auf dem Weg in die Unabhängigkeit.

Der Baltische Weg, Region Molėtai, Litauen, 23. August 1989 Saulius Gruodis, Litauisches Staatliches Zentralarchiv CC BY 4.0

Die Serie

  1. 01

    Die Stimmen aus dem schwarzen Himmel

    Radio Free Europe und Radio Liberty, die Voice of America, der BBC World Service, der Rundfunk im amerikanischen Sektor und Radio Vatikan trugen unzensierte Ideen, Kultur und Nachrichten über Grenzen, die Regierungen überwachen, aber nie ganz schließen konnten.

  2. 02

    Rock and Roll und Popkultur

    Westliche Musik, Konzerte, Fernsehen, Film, Mode und Jugendkultur boten etwas, das Ideologie nicht bieten konnte: ein emotional überzeugendes Bild von individueller Freiheit, eigener Entscheidung und einem Leben jenseits des kommunistischen Systems.

  3. 03

    Strategischer Druck

    Reagan, Thatcher, die NATO, die Strategic Defense Initiative und westliche Wirtschaftskraft trafen auf innere sowjetische Schwäche und erhöhten den Druck auf ein System, das ein Militärimperium und eine Planwirtschaft schon kaum noch tragen konnte.

  4. 04

    Die Bürger, die schließlich Nein sagten

    Dissidenten, Arbeiter, Lehrerinnen, Studierende, Künstler, Journalisten, Geistliche und ganz gewöhnliche Familien machten aus privater Unzufriedenheit organisierten Widerstand, von der Charta 77 und Solidarność bis Leipzig, Prag, Budapest und Bukarest.

Das Schlachtfeld Musik

Eine Kassette ließ sich in jeder Küche kopieren

Schallplatten kamen in Koffern und Diplomatenpost in den Ostblock und vermehrten sich dann jenseits jeder Kontrolle. Ein Presswerk braucht eine Fabrik. Eine Kassette braucht ein zweites Gerät und einen Nachmittag.

Im Westen gepresst, im Osten kopiert und weiterkopiert.
Das Vervielfältigen brauchte keine Genehmigung und hinterließ kein Register.
Kurzwelle, nach Einbruch der Dunkelheit, leise gedreht.
Der Klang, den ein Staat verbieten, aber nicht zum Schweigen bringen konnte.
Laut genug, um durch eine Wand gehört zu werden.
Eine riesige Menschenmenge bei einem Open-Air-Konzert von Bruce Springsteen in Ost-Berlin im Juli 1988.

Der Staat lud einen westlichen Rockmusiker ein, um den Druck aus einer eingesperrten Generation zu nehmen. Rund 300.000 Menschen kamen. Sechzehn Monate später war die Mauer offen.

Bruce Springsteen, Ost-Berlin, 19. Juli 1988 Ralf Steinberger CC BY 2.0

Der Schattenstaat

Ihnen gegenüber stand der Apparat, der ganze Bevölkerungen im Inneren halten sollte: der KGB, die Stasi, die Securitate und die übrigen von Moskau gelenkten Geheimdienste.

Sie sind der durchgehende Antagonist der gesamten Serie.

  • 91.000Hauptamtliche Mitarbeiter des MfS, 1989
  • 173.000Inoffizielle Mitarbeiter, die IM
  • 111 kmAktenbestand, den das MfS hinterließ

Zahlen: Stasi-Unterlagen-Archiv im Bundesarchiv

Von einem verschlossenen Kontinent zu einem offenen

  1. Davor

    Die Welt vor dem Durchbruch

    Mitte der 1980er Jahre regierte der sowjetische Kommunismus noch über mehr als 100 Millionen Europäerinnen und Europäer hinter dem Eisernen Vorhang, gehalten von Zensur, eingeschränkter Bewegungsfreiheit, wirtschaftlicher Stagnation und allgegenwärtiger staatlicher Überwachung.

  2. Musik

    Das Schlachtfeld Musik

    Von Schwarzmarktplatten und Kassetten bis zu westlichem Radio und großen Konzerten wurde Musik zum umkämpften Gebiet zwischen Regierungen, die die Jugendkultur kontrollieren wollten, und einer Generation, die die Außenwelt hören wollte.

  3. Berlin

    Berlin, der Brennpunkt

    Ground Zero des Kalten Krieges. Keine Stadt verkörperte den Zusammenstoß zwischen geschlossener und offener Gesellschaft vollständiger. Das Concert for Berlin von 1987, Reagan am Brandenburger Tor und die Ereignisse rund um die Mauer geben der europäischen Erzählung ihr wiederkehrendes Rückgrat.

  4. 1988

    Die Konvergenz

    Wirtschaftliche Schwäche, politische Reform, westliche Information, Popkultur und ziviler Widerstand begannen einander zu verstärken, bis die Ereignisse schneller liefen, als kommunistische Regierungen sie kontrollieren konnten.

  5. 1989

    Die Revolutionen

    Polen, Ungarn, die DDR, die Tschechoslowakei, Bulgarien und Rumänien gingen unterschiedliche Wege und erzeugten gemeinsam die Kaskade von 1989, die die Nachkriegsordnung Osteuropas zerbrach.

  6. Danach

    Sieg, Erbe und die Frage, die die Geschichte unterschätzt hat

    Am 25. Dezember 1991 verschwand die Sowjetunion. Die Serie fragt, wie viel von diesem Sieg nicht Präsidenten und Armeen gehörte, sondern Sendern, Musikerinnen und Musikern, Künstlern und Millionen Menschen, deren Wunsch nach Freiheit ihrem Vermögen zu handeln vorausging.

Menschenmenge in einer Leipziger Straße während einer Montagsdemonstration im Oktober 1989.
Leipziger Montagsdemonstration, 23. Oktober 1989 Bundesarchiv, Bild 183-1989-1023-022 / Friedrich Gahlbeck CC BY-SA 3.0 DE
Das Brandenburger Tor hinter der Berliner Mauer im Dezember 1989.
Brandenburger Tor, Dezember 1989 SSGT F. Lee Corkran, US Department of Defense Gemeinfrei
Reagan und Gorbatschow beim Gipfeltreffen in Genf im November 1985.
Gipfeltreffen in Genf, 19. November 1985 White House Photographic Office Gemeinfrei

Die Fotografien auf dieser Seite stammen aus Archiven und sind einzeln nachgewiesen. Alle übrigen Bildmotive sind eigens gestaltete Grafiken und zeigen kein historisches Ereignis und keine reale Person.

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Wer 1989 zwanzig Jahre alt war, ist heute Ende fünfzig. Diese Zeitzeugenberichte haben eine Frist, die Produktion nicht.

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